Ukraine RECREATION-Projekt – deutsch-ukrainische Begegnungen am Droste

„Ich habe einen Traum. Ich möchte die Welt bereisen und viele Erinnerungen sammeln.“

Seinem Wunsch ist dieser Lviver Jugendliche ein kleines Stückchen nähergekommen, denn vom 09. bis 22. Oktober lud das Droste 15 Jugendliche und ihre 2 Lehrerinnen aus dem Lyzeum Nr. 28 für zwei Wochen nach Freiburg ein. Als UNESCO-Projektschule wollten auch wir einen solidarischen Beitrag zum anhaltenden Krieg in der Ukraine leisten und Jugendlichen aus Freiburgs Partnerstadt Lviv (Lemberg) einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt ermöglichen.

Nach einer zweitägigen Zugfahrt (Przemysl-Berlin, Berlin-Freiburg), empfingen wir unsere Gäste am Freiburger Hauptbahnhof und begleiteten sie ans Droste. Dort warteten bereits die Gastfamilien und ein reichhaltiges Buffet zur Stärkung, vorbereitet von unserem Elternbeirat. Nach einer herzlichen Begrüßung unserer Gäste durch Herrn Rupp, machten sich die ukrainischen Jugendlichen mit ihren Gastfamilien bekannt und verbrachten anschließend gemeinsam den restlichen Abend.

Für die zwei anstehenden zwei Wochen war ein vielfältiges Programm organisiert: Schulhausführung, Stadtrallye, Empfang der Stadt Freiburg, Besichtigung und Aufstieg des Freiburger Münsters, Oper, Fußball bei den SC-Damen, Mundenhof, Bowling, Schauinslanderlebnis mit einem Ranger, Straßburg mit Besuch des Europa-Parlaments und anschließender Bootsfahrt, Graffiti-Workshop mit Herrn Discher, Europapark und ein kreativer Ausflug ins Hausgrün nach Emmendingen (bei dem u.a. die zwei Zitate in diesem Bericht von zwei ukrainischen Schülern in einwandfrei geschriebenem Deutsch entstanden sind!).

Wir hatten das Gefühl, dass die Jugendlichen eine Weile brauchten, um sich auf unser Programm und unsere Umgebung einzulassen. Das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, aus welchem Alltag die ukrainischen Jugendliche kommen, in dem es mehrmals wöchentlich Luftalarm gibt und sie somit ständigen Gefahren und Einschränkungen ausgesetzt sind. Doch zu Beginn der zweiten Woche konnten wir bei unseren Gästen ein deutliches Aufatmen, Entspannen und Genießen der Aktivitäten spüren. Das zeigt, dass ein mehrwöchiger Aufenthalt vollkommen berechtigt ist und bestätigt, dass es eine Weile braucht, bis die Erholung einsetzt. Umso schöner war es, die Jugendlichen zu erleben, wie sie ihre Freiheit, Unbekümmertheit und letztlich ihr ganz normales Teenagerleben genossen…und nebenbei viele wertvolle Erfahrungen und Erinnerungen gesammelt haben!

Am letzten Tag wurde gemeinsam der Abschlussabend vorbereitet, zu dem alle Gastfamilien zu ukrainischem Fingerfood und einem bewegenden Rückblick eingeladen waren. Es wurde berichtet, Fotos und Eindrücke gezeigt, gedankt, gelacht, aber auch mit einem traurigen Auge auf diese erlebnisreiche und besondere Zeit geschaut – sowohl die Schüler*innen, als auch Gastfamilien und Lehrerinnen verabschiedeten sich am Donnerstagmorgen am Hauptbahnhof mit einem mulmigen Gefühl. Auch wenn der Gruppe noch zwei bunte Tage in Berlin bevorstanden, so blieb doch ein bedrückendes Gefühl die UkrainerInnen in ihren ungewissen Alltag zu verabschieden.

Ein besonderer Dank geht an die Gastfamilien, die mit großer Warmherzigkeit und Gastfreundschaft ukrainische Gäste bei sich aufgenommen haben. Auch sie haben an den Wochenenden viele schöne Ausflüge unternommen, sich gegenseitig eingeladen und die Gelegenheit genutzt, miteinander in den Austausch zu kommen. Ihre Bereitschaft und ihr Einsatz tragen entscheidend dazu bei, dass die ukrainischen Jugendlichen eine positive Erfahrung in unserer Gemeinschaft erleben dürfen. Herzlichen Dank für Ihr Engagement!

Die Gruppe ist nun wieder gut in der Ukraine angekommen. Wir bleiben weiterhin in Kontakt und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen – in Freiburg und in Lviv – denn das würde bedeuten, dass dann vielleicht Frieden in der Ukraine herrscht und ein gegenseitiger Austausch stattfinden könnte. Knüpfen wir an den bewundernswerten Optimismus eines ukrainischen Gastschülers an, der sich trotz des schrecklichen Kriegs in seinem Heimatland nicht unterkriegen lasst: „Wie auch immer das Leben verlaufen mag, man sollte das Positive nicht vergessen.“

(Text: Ulrike Sallach und Christine Müller)