Bildungspartnerschaft mit Ehemaliger Synagoge Kippenheim
Das Droste und die Ehemalige Synagoge Kippenheim e.V. vereinbaren Bildungspartnerschaft
Moral kann mangelndes Wissen nicht ersetzen. Wer nur eine Meinung, aber keine Ahnung hat, lässt sich in Zeiten zunehmender Angriffe auf liberale Werte und die von ihnen getragene Ordnung leicht verunsichern. Antiliberalismus, Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind keineswegs nur historische Phänomene.
Das Droste hat darum das Angebot des Fördervereins der Ehemaligen Synagoge Kippenheim e.V. dankbar aufgriffen, eine gemeinsam getragene Bildungspartnerschaft einzugehen. Unser Schulleiter Martin Rupp und Florian Hellberg, Vorstand des Fördervereins in Kippenheim, haben den entsprechenden Vertrag dazu am 8. Mai 2025 unterzeichnet
Ein Anfang ist gemacht
Auf Einladung des Fördervereins der Ehemaligen Synagoge haben wir bereits mit über 40 Schüler*innen aus der Oberstufe einen Vortrag des renommierten Historikers Prof. Dr. Gerhard Paul zu den „Bilderwelten des Nationalsozialismus“ gehört. Ein sich daran anschließender Workshop zur Arbeit mit Fotografien zur Deportation der badischen Jüd*innen ist in Planung.
Ein Besuch der Synagoge und des jüdischen Friedhofs sowie eine Wanderung auf dem Christlich-Jüdischen Kulturweg in Kippenheim und Schmieheim bilden das Rahmenprogramm unseres Kolleg*innenausflugs im Schuljahr 2025/26.
Kurt-Salomon-Maier Geschichtspreis für das Droste
Erstmals verleiht der Förderverein der Ehemaligen Synagoge Kippenheim e.V. in diesem Schuljahr an unserer Schule den „Kurt-Salomon-Maier-Geschichtspreis“ an eine Abiturient*in für hervorragende Leistungen im Basisfach Geschichte. Benannt ist dieser Preis nach Dr. Kurt Salomon Maier, der 1930 in Kippenheim geboren und als Kind von dort am helllichten Tag vor den Augen seiner Mitschülerin von proaktiven badischen Nazis vertrieben wurde.
Er lebt in den USA und setzt sich seit vielen Jahren in ganz besonderer Weise für die Erinnerungsarbeit an Schulen im Südlichen Oberrhein ein. Seit 2019 ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, 2023 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft im Rahmen einer Zeremonie in der deutschen Botschaft in Washington zurück. Fast 82 Jahre, nachdem ihm deutsche Antisemiten und Rassisten seine deutsche Staatsbürgerschaft geraubt hatten.
Synagoge Kippenheim als historischer Ort
Die Synagoge in Kippenheim, 40 km von Freiburg entfernt, ist ein historischer Ort, ein Ort also, der sich im Verlauf seiner Geschichte wiederholt verändert hat. Er eignet sich darum besonders gut für unsere Schüler*innen ihr Wissen über jüdisches Leben in ihrer eigenen Region gestern und heute zu erweitern und zugleich über die erinnerungskulturelle Bedeutung von Erinnern, Lernen und Begegnen nachzudenken.
Es waren Menschen aus unserer Region, die ihre Mitmenschen zu ihren Gegenmenschen machten, sie gesellschaftlich an den Rand drängten, sie öffentlich demütigten und beschämten, aus ihrem Wohnort vertrieben, 1938 erst die Männer ins Konzentrationslager nach Dachau verschleppten und zwei Jahre später im Oktober 1940 dem Willen zum Massenmord vorauseilend zuarbeiteten, indem sie alle noch in ihren Orten wohnenden jüdischen Kinder, Frauen und Männer aus Baden ins Konzentrationslager ins französische Gurs deportierten. Das von Nazis aus Offenburg in Gang gesetzte Pogrom in Kippenheim und die sich daran später anschließende Verwendung der Synagoge als landwirtschaftliche Lagerhalle haben ihre sichtbaren Spuren hinterlassen.
Zeugnisse unserer Geschichte dokumentieren aber nicht lediglich Vergangenheit. Sie erinnern nicht nur an das, was war, sondern lassen sich lesen als Anfrage an das, was ist und sein soll.
Ein Angebot für unsere Schüler*innen
Der Förderverein der Ehemaligen Synagoge Kippenheim macht unseren Schüler*innen im Rahmen der Bildungspartnerschaft das Angebot, teilzunehmen an verschiedenen kulturellen Veranstaltungen mit Theater, Musik und Kunst, an Vorträgen und Führungen zur Regionalgeschichte des badischen Landjudentums, an Zeitzeugengesprächen, an Workshops zur historischen und politischen Bildung – auch in der Begegnung mit Schüler*innen anderer Schulen aus Freiburg, Ettenheim und Lahr.
Damit nimmt die Bildungspartnerschaft unsere Schüler*innen mit in ihre Geschichtskultur und zugleich in die Verantwortung, sich selbst aktiv darin einzubringen. Der Förderverein der Ehemaligen Synagoge Kippenheim e.V. und unser Droste machen unseren Schüler*innen mit der Bildungspartnerschaft ein Angebot, sich in und durch Geschichte hier und jetzt zu orientieren. Die Antwort auf Orientierungslosigkeit ist Bildung.
(Text: Markus Bultmann)















































































































































































































































